Yin und Yang begegnen uns nicht nur auf der Yogamatte – sie begleiten uns in jedem Moment unseres Lebens. Sie stehen für zwei Kräfte, die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen:
Yin ist das Ruhige, Empfangende, Weiche, das Nach-Innen-Gehen.
Yang ist das Aktive, Gestaltende, Kraftvolle, das Nach-Außen-Gehen.
In unserem Alltag sind wir oft sehr im Yang:
Wir funktionieren, planen, organisieren, leisten, reagieren. Das ist nicht falsch – im Gegenteil, Yang schenkt uns Struktur, Klarheit und Umsetzungskraft.
Doch wenn das Yin fehlt, geraten wir aus dem Gleichgewicht. Dann entsteht Erschöpfung, innere Unruhe oder das Gefühl, nicht mehr richtig bei uns zu sein.
Yin erinnert uns daran, dass wir nicht immer etwas tun müssen, um wertvoll zu sein.
Yin ist die Pause zwischen zwei Atemzügen. Yin ist das Lauschen nach innen.
Yin ist das Vertrauen, dass auch im Nicht-Tun etwas geschieht.
Im Gleichklang zu sein bedeutet nicht, immer ruhig oder immer aktiv zu sein.
Es bedeutet, zu spüren:
Wann brauche ich Bewegung – und wann Stille?
Wann darf ich handeln – und wann darf ich warten?
Wann bin ich im Außen – und wann bei mir selbst?
Yin und Yang sind wie Ein- und Ausatmen. Ohne das eine kann das andere nicht existieren. Erst ihr Zusammenspiel schenkt uns Lebendigkeit, Klarheit und innere Balance.
Yin Yoga lädt uns ein, diese Qualitäten bewusst zu erfahren:
Auf der Matte dürfen wir üben, vom Tun ins Sein zu wechseln.
Wir lassen uns von der Schwerkraft tragen, geben Kontrolle ab und lauschen dem Körper.
So entsteht nicht nur körperliche Öffnung, sondern auch ein innerer Raum von Vertrauen, Annahme und Verbundenheit.
Und genau das dürfen wir mit in unseren Alltag nehmen:
Mehr Weichheit im Umgang mit uns selbst.
Mehr Pausen zwischen den Anforderungen.
Mehr Bewusstsein für unsere eigenen Grenzen und Bedürfnisse.
Vielleicht ist Balance kein Zustand, den wir erreichen müssen.
Vielleicht ist sie ein fortwährendes Lauschen:
Was brauche ich jetzt – Yin oder Yang?
Yin schenkt uns Wurzeln, Yang schenkt uns Flügel. Beides brauchen wir, um ganz zu sein. Yin und Yang sind keine Gegensätze – sie sind vielmehr ein Tanz.
Und wir dürfen lernen, seinen Rhythmus in uns selbst wiederzufinden.
„Balance is not something you find, it’s something you create.“



